Prof. Dr. med. habil Heiner Trobisch

Die 40'er Jahre

Am 17. Januar 1940 wurde ich als jüngstes Kind der Eheleute Mathilde Trobisch geborene Berner und Bruno Trobisch in Hamburg geboren.

Meine früheste Kindheit war überschattet von den Wirren und den Terrorangriffen der Alliierten auf meine Vaterstadt Hamburg. Meine Mutter floh mit mir deswegen im Herbst des Jahres 1944 vor den Bombenangriffen zu einem Bruder meines Großvaters, der in Harksheide bei Hamburg wohnte. Dort wurden meine Mutter und ich auf der Tangstedter Landstraße von einem britischen Jagdflugzeug unter Maschinengewehrbeschuss genommen. Wir entkamen der Salve, die nur wenige Meter neben uns einschlug, durch das geistesgegenwärtige Verhalten meiner Mutter, die mit mir in einem Straßengraben in Deckung ging. Die Folge all dieser Ereignisse war, dass ich mit 5 Jahren eine schwere Aeroplanophobie entwickelt hatte, die sich erst etwa ein Jahr nach Einstellung der Luftangriffe auf Hamburg gegeben hat.

1946 wurde ich in die Grundschule Telemannstraße in Hamburg-Eimsbüttel eingeschult. Neben Schreiben und Rechnen wurde ich 2 Jahre lang in der plattdeutschen Sprache unterrichtet. Seit der 4. Klasse war ich Klassenprimus. Meine erste Fremdsprache, die ich ab dem 10. Lebensjahr erlernte, war Englisch. Ironischerweise wurde diese Tatsache von meinem Klassenlehrer als "Besatzungshumanismus" verunglimpft, denn noch bis in die Zeiten des dritten Reichs war Latein die erste zu erlernende Fremdsprache für Kinder des Bürgertums.

Großes Interesse brachte ich der klassischen Musik entgegen und begann mit 12 Jahren das Klavier- und Orgelspiel zu erlernen.

Die 50'er Jahre

1952 wurde ich auf das Wilhelm-Gymnasium in Hamburg umgeschult. Hier wurde ich ab der Sexta in Latein und Altgriechisch unterrichtet.

Die 60'er Jahre

Die Unter- und Oberprima absolvierte ich auf der Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg. 1960 schloss ich meine Schulbildung hier mit dem Abitur ab.

Von 1960 bis 1965 studierte ich Medizin an den Universitäten in Erlangen und Hamburg, wo ich im Dezember 1965 die ärztliche Prüfung bestand.

Von 1965 bis Dezember 1967 war ich Medizinalassistent an der medizinischen Klinik des Universitätskrankenhauses Eppendorf in Hamburg und an der chirurgischen Abteilung des Marienhospitals in Marsberg. Während meiner MA-Zeit in Hamburg lernte ich Prof. Dr. Volkmar Tilsner kennen, der mein Interesse an Problemen der Blutgerinnung weckte.

Am 01.01.1968 trat ich als wissenschaftlicher Mitarbeiter in die Reagenzien-Abteilung der Behringwerke AG in Marburg an der Lahn ein und leitete dort das Gerinnungslabor. Hier entwickelte ich Reagenzien für die moderne Gerinnungsdiagnostik und beteiligte mich an der Isolierung und Stabilisierung des Gerinnungsfaktors VIII. Diese Arbeiten waren später für die Produktion eines virusinaktivierten FVIII-Konzentrates der Behringwerke AG von Bedeutung.

Am 15.07.1968 wurde mir durch die medizinische Fakultät der Universität Hamburg Titel und Würde eines Doktors der Medizin verliehen, nachdem ich meine mit "sehr gut" beurteilte Abhandlung "Der Einfluss einer fraktionierten Röntgenbestrahlung auf den DPN-Gehalt solider Tumoren und der Wirtsleber" vorgelegt hatte und das Promotionskolloquium mit Erfolg bestanden hatte.

Die 70'er Jahre

Am 28.01.1971 erhielt ich die Approbation als Arzt.

Zum 01.07.1973 wechselte ich zur medizinischen Klinik der Universität Düsseldorf, an der ich meine Kenntnisse in der inneren Medizin unter der Leitung von Prof. Dr. Franz Grosse-Brockhoff vertiefen konnte. Hier konnte ich mein Interesse an der Diagnostik und Therapie von Blutgerinnungsstörungen erweitern und eine zuverlässige Blutgerinnungsdiagnostik aufbauen.

Vom 01.07.1974 bis zum 31.12.1975 erhielt ich meine Weiterbildung im Fach Laboratoriumsmedizin bei Prof. Dr. W. Rick und Prof. Dr. H.T. Brüster an der Universität Düsseldorf.

Zu besonderem Dank bin ich Prof. Dr. Herbert Theodor Brüster verpflichtet, der meine wissenschaftlichen Studien zur Isolierung und chemischen Charakterisierung des Blutgerinnungsfaktors VIII stets und mit großem Wohlwollen unterstützt hat.

Am 15.01.1976 erfolgte meine Anerkennung als Facharzt für Laboratoriumsmedizin durch die Ärztekammer Nordrhein.

Am 17.05.1977 habilitierte ich mich mit der Habilitationsschrift "Isolierung und biochemische Charakterisierung des Gerinnungsfaktors VIII" zum Dr. med. habil. und wurde zum Privatdozenten ernannt.

Am 18.07.1977 wurde ich vom Rektor der Universität Düsseldorf zum Oberarzt am Institut für Transfusionsmedizin und Blutgerinnungswesen ernannt.

Am 31.07.1979 erhielt ich die Anerkennung zum Führen der Zusatzbezeichnung "Transfusionsmedizin" durch die Ärztekammer Nordrhein.

Die 80'er Jahre

Der Regierungspräsident Düsseldorf bestätigte mir am 26.08.1980, dass ich gemäß § 15 des "Arzneimittelgesetzes 1976" die erforderliche Sachkenntnis als Herstellungsleiter für die Herstellung und Prüfung von Blutzubereitungen, Sera etc. besitze.

Am 31.03.1981 wurde mir die Bezeichnung "Außerplanmässiger Professor" verliehen.

Zum 01.07.1981 ließ ich mich in Duisburg zusammen mit dem Kollegen Dr. W. Sagebiel als Facharzt für Laboratoriumsmedizin am Institut für Laboratoriumsmedizin der Stadt Duisburg nieder.

1987 gründete ich die erste privatwirtschaftlich betriebene Blutbank in Duisburg, die mit 3 weiteren Niederlassungen in Oberhausen, Gelsenkirchen und Wuppertal bis heute einen soliden Bestand hat

Die 90'er Jahre

Da das Institut für Laboratoriumsmedizin der Stadt Duisburg auf Betreiben der Duisburger Mehrheitsfraktion seinen Betrieb 1992 einstellen musste, wechselte ich 1992 zum Regionallabor der Bioscientia nach Moers, wo ich mich der Gemeinschaftspraxis für Laboratoriumsmedizin von Drs. Kraus und Kollegen anschloss.

Am 15.03.1995 erhielt ich die Anerkennung als Facharzt für Transfusionsmedizin durch die Ärztekammer Nordrhein.

Zum 01.04.1995 verlegte ich meinen Kassenarztsitz als Einzelpraxis für Laboratoriums- und Transfusionsmedizin von Moers nach Duisburg und eröffnete hier ein Speziallaboratorium mit integrierter Ambulanz für Hämostasestörungen.

Von der Ärztekammer Nordrhein habe ich 1998 die Befugnis zur Weiterbildung im Fach Laboratoriumsmedizin für 3 Jahre erhalten

2000 bis heute

Am 7.12.2005 erhielt ich von der Ärztekammer Nordrhein die Anerkennung zum Führen der Zusatz-Weiterbildung Hämostaseologie.

Am 01.03.2006 wurde mir von der Ärztekammer Nordrhein die Befugnis zur Weiterbildung im Fach Hämostaseologie in Verbindung mit dem Facharzt für Laboratoriumsmedizin erteilt.

Für die Ärztekammer Nordrhein bin ich seit über 20 Jahren als Fachprüfer für die Fächer Laboratoriumsmedizin, Transfusionsmedizin und seit 2006 auch als Fachprüfer für Hämostaseologie tätig.

Mit Ablauf des 1. Quartals 2008 musste ich meinen Kassenarztsitz aufgeben. Ich habe daraufhin meine patientenversorgende Aktivität als Arzt aufgegeben und beschäftige mich seither mit der Entwicklung von Reagenzien für die Diagnostik von Hämostasestörungen - insbesondere zur Erkennung von thrombosegefährdeten Patienten. Es ist nun ein großes hämostaseologisches Projekt geplant, an dem etwa 1.000 freiwillige Probanden teilnehmen sollen, das zum Ziel hat, die Inzidenz von bis dahin nicht erkannten Thromboserisiken zu ermitteln.

Nachdem die sogenannte 68er Regelung (Ausscheiden als Kassenarzt mit dem 68. Lebensjahr) gefallen ist, habe ich mich entschlossen, zum 01.01.2011 meine Kassenarztpraxis wieder zu eröffnen. Durch viele positive Anfragen von Kollegen, die in der Vergangenheit mit mir zusammen gearbeitet hatten und künftig wieder mit mir zusammen arbeiten wollen, ist mir dieser Entschluss leicht gefallen. Ich bin nun mit neuer Mannschaft bereit, Kollegen und Patienten mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Dabei kommen mir meine Erkenntnisse, die ich während meines Forschungsprojektes habe erwerben können, sehr zustatten.